Friedel Thoms

Dithmarschen - eine neue große Liebe...

Die in Oberfranken geborene Friedl Thoms brauchte rund 10 Jahre, um sich als Künstlerin in die norddeutsche Landschaft einzusehen. Anfangs zeichnete sie in Rötel, Kreide, malte in Öl und Aquarell, später auch in Tempera und Acryl.

 

Solange der keramische Betrieb bestand, hatte sie kaum Zeit zum Malen und opferte dafür die Nacht. Wenn es die Zeit am Wochenende jedoch erlaubte, fuhr die Familie an die nahegelegene Küste. Dort malte die Künstlerin das Vorland mit seinen Prielen und landschaftstypischen Grabenstrukturen sowie seinen idyllischen Häfen. Das weite Land der Marsch mit seinen großen, sich schnell verändernden Himmeln und das flirrende Licht auf dem Wasser und im Watt faszinierten die Künstlerin ihr Leben lang.

 

Während die  Kinder im Vorland mit mehr oder weniger Erfolg "Graben-Springen" spielten, angelte ihr Mann Hans-Jochim  Aale für das Abendessen.

Täglich malen - nur ein aufgeschobener Lebenstraum!

Nachdem die Töpferei ihre Produktion 1990 einstellte, erfüllte sich die Künstlerin ihren Lebenstraum und richtete sich in der alten Töpferei zwei Ateliers ein -  eins zum Töpfern und eins zum Malen. Ab jetzt ging sie jeden Morgen punkt 9 Uhr in eines ihrer Ateliers. 

Bei interessanter Wetterlage fuhr das Ehepaar gemeinsam an die Elbe. 

Friedl Thoms aquarellierte und ihr Mann fotografierte oder drehte Naturfilme. Dabei fischte er immer wieder nach verworfenen Aquarellen. Die Künstlerin warf diese gerne aus Verärgerung in das Wasser..

"Das Wetter spielt eine große Rolle. Besonders am Wasser ändern sich die Eindrücke von einer Minute auf die andere. Hier draußen stehe ich mitten in der Farbe."

Teetrinken in freier Natur

 Höhepunkt der Ausflüge war das gemeinsame Teetrinken in freier Natur. Ob am Deich oder im Vorland, es wurde stilvoll auf weißem Tuch gedeckt. Dazu zog Hans-Jochim Thoms feinstes Porzellan von Königlich Kopenhagen und die Silberlöffel aus seinem Picknickkorb. Unter den verwunderten Blicken der rundherum grasenden Schafe ließen es sich die beiden schmecken!

 

"Ich male nicht ab, sondern ich suche und übersetze das Gesehene"

 

Auf dem Heimweg verbot sich Friedl Thoms jedes Wort, denn nur so konnte sie die eingefangene Stimmung mit nach Hause tragen.                                                Im Atelier angekommen, machte sie sich sofort an die Arbeit und setzte die Skizzen in größere Aquarelle oder Kreidezeichnungen um.

So entstand nicht nur die Bilderreihe  Elbspaziergang, sondern auch viele Werke über das Vorland der Köge.

 

"Ich male die Vielfalt der Flora wie sie in Dithmarschen nicht                           vermutet wird"

 

Ein weiteres Thema war ihr Garten, in dem sie im Sommer gerne plein air malte. Auch die Vögel hatten ihre Freude daran.  Der Goldaufdruck ihrer Bleistifte reizte die Elstern immer wieder dazu,  beherzt zuzugreifen. 

Der Blick von der Marsch auf die Geest

2002 schweifte ihr Blick nach Meldorf,  zur Eider und der Vielfalt der Flora wie sie auf der Geest um die Regionen Kuden, Gudendorf, Buchholz und Albersdorf zu finden ist. Die Strenge der Marschlandschaft wurde jetzt durch die lieblichere und gebogene Formation der Geest abgelöst. Flächig und fast ornamental bearbeitete sie ihre Themen.

Kraftvolle Farben, geschickt über- und nebeneinandergesetzt, erzeugten die typische sandige, schmiegsame Farbigkeit des Geestrandes.

Andere Eindrücke

Auch aus ihrem Urlaub brachte sie immer eine Reihe Bilder mit nach Hause. Motive aus dem Harz, aus Lech, von der Insel Föhr,  den Canaren  und dem Bodden sind ein Zeugnis davon.

 

Hin und wieder verließ sie die Landschaftsmalerei und beschäftigte sich mit architektonischen Themen, dem Krieg oder ihren Kindheitserinnerungen. Auch Gedichte von Heinrich Heine und die Märchen von Oscar Wilde forderten sie zu einer künstlerischen Aussage heraus. 

Ab September wurden Stift und Pinsel beiseite gelegt und es ging ins Töpferatelier

Friedel Thoms erlernte das Töpferhandwerk nur mit den Augen.                            Eines Tages setzte sie sich an die Töpferscheibe und legte los.

Sie entwickelte sie für sich eine eigene Ausdrucksform und reizte das Material bis an seine Grenzen.

Sie töpferte sich verschiedene Formen, die sie im lederharten Zustand zerschnitt und anschließend wieder zu neuen Formen kombinierte und zusammengarnierte.  

Das war ein völlig anderer Prozess als der des Modellierens. Hier ging die  Formgebung nicht von einem Materialklumpen, sondern vom Fragment aus. Viele Fragmente ergaben in spielerischer Kombination ein neues Objekt.

Einem traditionellen Keramiker wie Hans-Jochim Thoms, drehte das manchmal den Magen um. Er erkannte sofort die technischen Schwierigkeiten, die beim Brennen auftreten würden. Die große Hitze im Ofen ließ  die Figuren während des Brandes weich werden und in sich zusammensinken. Mit großem Geschick machte er technisch vieles möglich, was unmöglich erschien.

 

Friedel Thoms dekorierte ihre Objekte in verschiedenen Techniken, wie Engobe-Ritztechnik, Goldmalerei, Fayence oder einer Kombination aus Gold mit Fayence.

Ausstellung in der eigenen Galerie

Mit großem Erfolg fanden jährlich Ausstellungen in der "Galerie in der alten Töpferei" statt. Die Besucher kamen aus ganz Deutschland. Hans-Jochim Thoms organisierte den gesamten Ablauf von der Einladung bis zum Verkauf und bereicherte die Ausstellungen zudem noch mit seinen Computerillustrationen und Naturfilmen.



Hommage an Dithmarschen  - Ein Blick in eine der vielen Ausstellungen